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Auf dem Sabiona Weißweinfestival

Gläserklirren

Fröhlich schlüpft Lea aus dem Villnösstal mit ihren zwei Freundinnen durch das Tor zur Altstadtgasse der mittelalterlichen Stadt Klausen. Ein Eintrittsbändchen am Arm, ein kleines Heftchen mit allen angebotenen Weinsorten und ein leeres Weinglas in der Hand - mehr braucht es nicht für die kommenden Stunden erlesenen Weingenusses auf dem Sabiona Weinfest in Klausen.

„Bestechend einfach und gut ist die Idee, die Eisacktaler Weine nicht nach Produzenten sortiert zu verkosten, sondern nach Weinsorten“ erzählt Susanne Lehmann, eine von acht Sommeliers. Sie ist zuständig für die Präsentation der Gewürztraminer. Es braucht nur ein kurzes Gespräch mit ihr und sie hat eine Empfehlung für jeden Gast. Die Sprache der Weine mit Ausdrücken wie „schmelzige Textur“, „kurzer Abgang“, „adstringierender Geschmackseindruck“ oder „mineralischer Geruch“ ist eine wohlklingende Fremdsprache - auf der Sabiona sprechen sie alle.
„Bestechend einfach und gut ist die Idee, die Eisacktaler Weine nicht nach Produzenten sortiert zu verkosten, sondern nach Weinsorten.“
Den drei Freundinnen aus dem Villnöss empfiehlt Susanne zunächst zu einem „Aristos“ von der Kellerei Eisacktal, dann zum Vergleich den „Dionysos“ vom Zöhlhof, einem kleinen Bio-Weingut bei Feldthurns. Zum Schluss verkosten sie noch einen Gewürztraminer vom Weingut Ebner. „Ich gehe viel mit Freunden aus“ erzählt Lea lachend, „wir trinken gern die Weine aus dem Eisacktal. Zu oft greifen wir auf Altbewährtes zurück weil wir uns nicht trauen, einen neuen Wein auszuprobieren, der uns dann vielleicht nicht schmeckt. Auf dem Sabiona Weinfest können wir sie alle probieren!“ Sie hat ein System aus Kreuzen, Häkchen und Herzen: „Damit markiere ich im Sabiona-Verkostungsheft: nicht so meins, ziemlich gut oder unbedingt kaufen.“ „Dionysos“ bekommt ein Herzchen.

Susanne Lehmann plaudert fröhlich von ihrer Arbeit als Sommelière, von den vielen schönen Veranstaltungen, auf denen sie so unterschiedlichen Menschen begegnet und in die verrücktesten Gespräche verwickelt wird. Sie ist mitten in einer Fortbildung zur Weinakademikerin im Fernstudium, um ihr feines Zünglein weiter zu bilden. Wir lachen herzlich bei der Vorstellung wie sie zu Hause vor vielen vielen Weinflaschen am Schreibtisch sitzt und lernt.
Die blaue Dämmerung setzt ein und die Stimmung an diesem milden frühsommerlichen Abend ist fröhlich und ausgelassen. Allerhand Touristen sind gekommen, aber mindestens genauso viele Einheimische. Alle sind ziemlich chic angezogen, jede Altersgruppe ist vertreten, erstaunlich viele junge Leute schlendern durch die Fußgängerzone voller Wein. Viele von ihnen sind selbst im Weingeschäft tätig oder arbeiten in der Gastronomie. Die Winzer müssen hier nicht selbst hinterm Tresen stehen, sie probieren die Weine der Kollegen. Es wird gerochen, geschwenkt, probiert, ausgespuckt, mit der Zunge geschnalzt und genickt. Die letzten Jahrgänge waren gut. Man kennt sich und hat sich einiges zu erzählen. Der Austausch mit den Sommeliers ist spannend und heimlich beobachten die Winzer, wie die Weinliebhaber auf ihre Schöpfungen reagieren.
Die pittoreske Weinmeile zwischen dem Tor zur Altstadt und dem Tinneplatz sind die perfekte Kulisse für das Fest. Hoch über der Stadt thront seit mehr als 400 Jahren das Säbener Kloster, einer der ältesten Wallfahrtsorte Südtirols und mit seiner alten Bezeichnung namensgebend für die Sabiona.

Text: Sylvia Pollex
Fotos: Thomas Rötting
Veröffentlichung: 2022
Sabiona