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Eine Liebeserklärung an die Barbianer Zwetschke

Das blaue Wunder von Barbian

Dick und saftig hängen sie im September auf den Bäumen. Dann feiert Barbian die Zwetschke mit einem rauschenden Fest und den Zwetschkenwochen. Zu Recht, denn die Frucht hat es in sich.

Auf dem Tschatscherhof herrscht reges Treiben. Die Barbianer Bäuerinnen sind zusammengekommen, um ein Fest vorzubereiten, das wichtigste des Jahres für ihr Dorf, das Zwetschkenfest. Sie haben große Tische aufgestellt und einen riesigen Topf mit siedendem Öl. Am Vortag schon wurde der Teig vorbereitet und die Zwetschkenmarmelade. Jetzt produzieren sie wie am Fließband Krapfen, eine typische Südtiroler Speise. Teig ausrollen, füllen, backen, verpacken. „Man könne sie auch mit Spinat füllen, mit Frischkäse oder Marillenmarmelade“ sagt Doris, eine der Bäuerinnen „aber natürlich nicht für dieses Fest. Und überhaupt ist die Barbianer Zwetschke sowieso die beste aller möglichen Krapfenfüllungen.“ Da sind alle einer Meinung.

Dann entspinnt sich ein Gespräch über die Vielfalt der Gerichte, in denen die Zwetschke die Hauptrolle oder zumindest eine geschmackstragende Nebenrolle einnimmt. Im Zwetschkendatschi zum Beispiel, einem Kuchen aus Hefeteig, dicht mit Früchten belegt, mal mit, mal ohne Streusel. Oder bei den süßen Zwetschkenknödeln, als Beilage zu Strauben oder Milchreis. Wem läuft bei der Vorstellung von Kaiserschmarrn mit karamellisierten Pflaumen nicht das Wasser im Munde zusammen? Eine regionale Version davon ist der „Proter“, mit Buchweizenmehl gemacht. Auch diesen wird es auf dem Fest geben. „Leeeecker“ schwärmt Angelika, die Vorsitzende der Bäuerinnen „man könnte auch ein Pflaumencrumble backen oder die Früchte auf einen Pfannkuchen legen. Mit ihrer eindickenden Konsistenz eignen sie sich auch hervorragend für Fleischsoßen, in Chutneys oder als Pflaumen-Linsen-Beilage.“ Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt und die Barbianer Restaurants beteiligen sich rege am Wettbewerb der kreativen Rezeptideen in den zwei Zwetschkenwochen.

Resi Rabensteiner und ihr Mann Elmar vom Gasthof Rösslwirt zum Beispiel produzieren hausgemachtes Speiseeis. Schon ihr Heueis wäre eine eigene Reise nach Barbian wert. Dazu eine Kugel Zwetschkeneis und der Tag ist perfekt. Ein Glück, dass die Frucht so eine Gesundheitsbombe ist! Mit ihren Inhaltsstoffen Kalium, Kalzium und Eisen stärkt sie die Immunkräfte, schützt die Zellen, entwässert, ist gut für Augen und Haut, reich an Mineralstoffen und Spurenelementen und fördert die Verdauung.


Na dann, warum nicht noch eine Kugel?
Luxus der Askese – das Briol

Weiter oben in den Bergen über Barbian steht ein Haus, dessen Stiege knarzt, wo der Kalk von den dicken Steinwänden bröselt und das Holz der Fassade von rauen Wintertagen erzählt. Und doch strahlt das Briol Schönheit aus, Würde, Erhabenheit und Selbstbewusstsein. Durch seine bauhaus-schlichten Räume zog der Wind der Geschichte.

Im Jahre 1928 erbaut, gehört es zu den wenigen Gasthöfen am Berg, die zwischen den beiden Weltkriegen entstanden. Eine Zeit, in der das Wort Sommerfrische mit dem Erleben der Natur, mit Stille, Minimalismus und Ursprünglichkeit verbunden war. Weglassen war hier immer schon das Gebot der Stunde – statt Einzelbädern gibt es Gemeinschaftsbäder und eine Waschschüssel auf den Zimmern, statt unansehnlicher Sonnenschirme flattert die Wäsche im Wind, statt Fernsehen gibt es die Fernsicht vom Balkon. Im Garten sitzen Wanderer und Hausgäste wie vor 100 Jahren und genießen den Blick hinüber zu den Dolomitenbergen und die gute regionale Küche.

Denn im Vergleich mit vielen anderen landwirtschaftlichen Produkten ist der Einsatz an Pflanzenschutzmitteln gering und die zeitigen Blüten im Frühjahr sind wichtig für die Insekten.
Die Barbianer Bäuerinnen haben ihr Tagwerk vollendet und hunderte Krapfen für den kommenden Tag vorbereitet. Man könnte meinen, es kehrt langsam Ruhe ein auf dem Hof. Da kommt die ganze Familie noch einmal zusammen. Christian mit seiner Frau und den vier Kindern, ebenso die Eltern. Alle haben einen Korb oder Eimer in der Hand und verteilen sich zwischen den Bäumen. Während die Abendsonne den Schlern in ein herrliches Licht taucht, holen sie fröhlich schwatzend noch ein paar Kilo von den Bäumen.
Text: Sylvia Pollex
Foto: Thomas Rötting
Veröffentlichung: 2025

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